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Gemeinde 2.0 geht weiter

Eine spannende Konferenz mit eindrücklichen Erlebnissen begeistert und ermutigt über 850 Teilnehmende. Fast 200 Mitarbeitende entfalten ein buntes Hoffnungsbild von Kirche.

Gemeinde 2.0 geht weiterEngland ist stark säkularisiert, die traditionelle Kirche spielt für die meisten Menschen keine Rolle mehr. Die Anglikaner haben darauf mit Hunderten von Gemeindegründungen in ungewöhnlichen Formen reagiert. Den Berichten der Bischöfe Graham Cray und Steven Croft lauschten bei der Konferenz „Gemeinde 2.0“ in der Filharmonie mehr als 1000 aufmerksame Zuhörer.
Eingeladen hatten das Evangelische Jugendwerk in Württemberg, der Evangelische Kirchenbezirk Bernhausen und vier weitere Veranstalter. Zur Konferenz gekommen waren junge Haupt- und Ehrenamtliche, Studenten und Pfarrer, aber auch Vertreter der Kirchenleitungen aus Baden und Württemberg, inklusive Landesbischof Frank Otfried July. Steven Croft, seit 2009 Bischof von Sheffield, war von der Ernsthaftigkeit der „jungen Pioniere“ sehr beeindruckt. In England können diejenigen, die eine Kirche für Skater oder für junge Familien beginnen, sich in soziale Brennpunkte aufmachen oder mit künstlerisch orientierten Großstadtsingles arbeiten, des Segens und der Unterstützung ihres Bischofs sicher sein. „Bei uns auch“, versicherte der Stuttgarter Regionalbischof, Prälat Ulrich Mack, im Namen der Kirchenleitung: „Wir fördern das.“ Er wünsche sich, dass von den Impulsen des Kongresses viel an der Basis ankomme, auch in Gemeinden, die bisher noch ängstlich seien.

„Die Kirche wird kleiner, ärmer und älter werden“, sagt Professor Michael Herbst, Direktor des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindentwicklung in Greifswald. Aber sie werde auch bunter werden, denn die Ortsgemeinden würden durch weitere Strukturen ergänzt. Im Plenum, in Foren und rund 70 Seminaren wurden viele Beispiele solcher „fresh expressions of church“, also neuer Formen von Kirche, vorgestellt: Eine kirchliche Mitarbeiterin zieht in eine Plattenbausiedlung und hilft mit Schuldner- und Lebensberatung. Eine Gemeinde beginnt eine Bibelstunde in der Seniorenresidenz, eine Business-Kirche wird Anlaufpunkt im Geschäftsviertel.
Auf Gott und die Menschen hören

Schluss mit „das haben wir immer schon so gemacht“, diesen „sieben letzten Worten einer Kirchengemeinde“, forderte Herbst auf. Stattdessen solle die Gemeinde zuerst gründlich auf Gott und die Menschen hören, dann mutig einen Dienst riskieren, „der ohne Gottes Mitwirken nur schiefgehen kann“.

Heinzpeter Hempelmann, Theologischer Referent im Zentrum für Mission in der Region in Stuttgart, stellte im Plenum wichtige Resultate der Sinus-Kirchenstudien vor. Kirche erreiche nur einen Bruchteil der zehn aktuellen Milieus, diese seien durch tiefe Verstehensbarrieren und Ekelschranken voneinander getrennt.

Ein kurzes Theaterstück versammelte zehn plakative Vertreter der Milieus, von konservativ-etabliert bis prekär, an einer namenlosen Bushaltestelle. Der Weg zu allen diesen Menschen, zitierte Hempelmann ein Lied Xavier Naidoos, werde kein leichter sein. Doch die Erfahrungen der Anglikaner seien außerordentlich ermutigend: „Kirche kann zurückkehren in die Gesellschaft.“

Weitere Infos, Bilder und Videos unter
www.gemeindezweinull.org www.ejwu.de Und Gemeinde 2.0 zeigt Kirchenmusik 3.0

geschrieben am 14.03.2011 um 12:51 Uhr.


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