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Querbeet wie das Leben

Was ist eine Besonderheit des Sielminger „Runden Tisches für Jugendarbeit“? Dass es ihn überhaupt gibt. Denn er ist der einzige in den fünf Stadtteilen. Diesmal gab es entspannende Nachrichten, aber auch einen gemeinsamen Wunsch.

Querbeet wie das LebenEinmal im Jahr führt der runde Tisch Vertreter von Vereinen und Jugendeinrichtungen, Kirchen und Gemeinderatsfraktionen, der Schulen und des Bundes der Selbständigen (BdS) zusammen. Weil im Evangelischen Gemeindehaus renoviert wird, wichen die 25 Teilnehmer in die Martinskirche aus. Ausgewichen sind auch die Sielminger Jugendlichen, denn an den traditionellen Treffpunkten ist es recht ruhig geworden – ob am Festplatz, Sportplatz oder im Schulgässle. Bei Regenwetter ist der teils überdachte Hof des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums beliebt, hier kam es immer wieder zu Beschädigungen.
Weil die Wielandschule nur noch Grundschule ist und die Hauptschüler nach Bernhausen fahren, ist ihnen die Schulsozialarbeit gefolgt. „Vielleicht gibt es eines Tages eine eigene Schulsozialarbeit für die Grundschule“, hofft Hartmut Schäffer, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der evangelischen Jugendarbeit in Filderstadt. Wünschenswert, so die grüne Stadträtin Catherine Kalarrytou, sei ein Schulsozialarbeiter pro 150 bis 200 Schüler. „Man könnte vieles auffangen“, meinte eine Lehrerin. „Es ist einfacher, wenn nicht auch noch die Pubertät dazukommt“, stimmte die Streetworkerin Katharina Eckert zu.
Sie träumt von Verstärkung. Eine Vollzeitstelle für mobile Jugendarbeit, verteilt auf fünf Stadtteile, ist nicht üppig. Auch wenn die Teilnehmer des runden Tisches froh sind, dass die Stadt Filderstadt die Stelle trotz Finanznot zumindest erhält. Die halbe Stelle, die Eckert für die Schulsozialarbeit – nun an der Gotthard-Müller-Schule in Bernhausen – hat, ist mit Einzelfallhilfe fast ausgelastet. Die Themen, so Eckert, seien „querbeet wie das Leben“, es gehe um Stress in der Familie und Mobbing in Facebook. Trotz Heimweh hätten die Schüler den schnellen Wechsel recht gut gemeistert: „Es hätte schlimmer kommen können.“ Weil die Jugendlichen gerne unterwegs sind und eine Fahrkarte haben, sind sie nun öfters „drüben“ zu finden. Die Begleitung der Acht- und Neuntklässler durch Paten litt unter fehlendem Interesse der Schüler, manche kamen nicht zu vereinbarten Terminen. Zu Zukunft und Beruf, beobachtet Eckert, hätten viele Jugendliche utopische Vorstellungen. „Man müsste manchen von ihnen sagen, dass sie auch noch arbeiten werden müssen, wenn sie über 30 sind.“
Die Drittklässler der Wielandschule bekamen eine Hausaufgabenbetreuung. Zehn Mitarbeiter der EC-Jugendarbeit Sielmingen von 14 bis 22 Jahren bieten eine intensive Betreuung im Verhältnis eins zu eins oder eins zu zwei. Die diesjährige Saisoneröffnung der Zirkuskarre, um die sich im Vorjahr auf dem Schulhof wöchentlich zwölf bis 15 Jugendliche trafen, ist am 12. Mai.
Eckert stelle auch das Projekt „Nachtwanderer“ vor. Am Wochenende sollen engagierte Bürger ab 25 Jahren in kleinen Gruppen in Filderstadt unterwegs sein, Jugendlichen helfen und Konflikten vorbeugen. „Nachtwanderer“ ist eine Kooperation zwischen der Stadt, dem Jugendzentrum Z und der Mobilen Jugendarbeit Filderstadt. Anfangs gehen Hauptamtliche mit, später sind die Teams selbstständig unterwegs.

geschrieben von Peter Dietrich am 06.05.2011 um 09:20 Uhr.


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