Aus den Gemeinden
Der Name ist Teil des Programms
Vor zehn Jahren wurde im Scharnhauser Park das Sophie-Scholl-Haus eingeweiht
Im Juni 2000 war der erste Spatenstich, im Dezember das Richtfest, September 2001 die Einweihung. Zehn Jahre später wird das Sophie-Scholl-Gemeindehaus im Scharnhauser Park gut genutzt, die Dietrich-Bonhoeffer-Kirchengemeinde feiert. Die Vorgeschichte des Gebäudes war deutlich länger als die Bauphase. Sie hätte mehrfach ganz anders ausgehen können.
Im Jahr 1994 sollte die alte Baptistenkirche auf dem ehemaligen Gelände der US-Streitkräfte zum ökumenischen Zentrum werden. Der Evangelische Oberkirchenrat schätzte die Kosten auf 1,5 bis zwei Millionen Mark, der Diözese Rottenburg-Stuttgart war das zu teuer. Da kam das Angebot der Stadt, die kirchlichen Räume im Stadthaus unterzubringen, gerade recht. Doch die Planung zeigte, dass die Stadt alle Räume selbst benötigte. „Wir standen wieder auf Null“, erinnert sich Richard Genth, damals evangelischer Pfarrer in der Parksiedlung, der der neue Stadtteil kirchlich zugeordnet wurde.
Wären die Kastanien nicht, stünde an der Stelle des Sophie-Scholl-Hauses heute das benachbarte Wohnhaus für körper- und mehrfachbehinderte Erwachsene. Weil die Bäume nicht gefällt werden durften, fiel das Wohnhaus kürzer und höher aus, so blieb ein Bauplatz übrig. Er gehörte der Hofkammer des Hauses Württemberg und sollte mindestens dreistöckig bebaut werden. Doch Baukosten von rund 3,5 Millionen Mark waren für die finanzschwache Kirchengemeinde undenkbar. Weil die Stadtverwaltung Raum für einen Kindergarten brauchte, entstand ein gemeinsames Projekt. In der ersten Planung waren auch noch die Katholiken berücksichtigt, nach dem erneuten Stopp aus Rottenburg wurde das „Haus am Baumhain“ – so der Arbeitstitel – etwas verkleinert.
Der Förderkreis der Kirchengemeinde brauchte rund 30 Sitzungen. Das Gemeindemitglied Siegfried Fingerle, als Bauingenieur gerade frisch im Ruhestand, übernahm die Baubegleitung seitens der Gemeinde. Die 1,3 Millionen Mark für den kirchlichen Gebäudeanteil kamen ohne Darlehen zusammen. Die Gemeinden im Kirchenbezirk Bernhausen gaben einen Solidarbeitrag von 5,84 Mark pro Gemeindemitglied, zusammen 300 000 Mark. Das war eine in der Landeskirche bisher einmalige Geste. Die Kirchengemeinde wettete, Oberbürgermeister Herbert Rösch in Geld aufzuwiegen und gewann mit 170 Kilo Münzen, rund 5500 Mark – zuzüglich 8000 Mark per Überweisung. Rösch spendete das versprochene Klavier.
Fünf Krabbelgruppen und Kinderchor, Café im Sophie-Scholl-Haus und Gute-Nacht-Kirche, Gymnastik und biblischer Gesprächskreis, Konfirmandenunterricht und Gremiensitzungen: Gemeinsam mit dem neuen Stadtteil ist die Nutzung des Hauses gewachsen. Beim Namenswettbewerb unterlagen Vorschläge wie „Regenbogen“ und „Arche Noah“ dem Vorschlag „Sophie Scholl“. Eine Entscheidung, über die Pfarrerin Heike Bosien sehr froh ist. So hört sie von jedem Konfirmandenjahrgang die Frage, wer das denn war. Sophie Scholl und Dietrich Bonhoeffer werden in der Kirchengemeinde immer wieder zum Thema. Beim Jubiläumsfest stellt die Gemeinde ihre neue „Sophie-Scholl-und-Dietrich-Bonhoeffer-Schatzkiste“ vor. Für die mobile Mikrobibliothek werden Bücher und Spenden gesammelt. Ein Team aus Pädagogik und Buchhandel hat Literatur im Wert von 2000 Euro zusammengestellt.
* Zum Beginn des Jubiläumsfestes ist am Freitag, den 16. September um 19.30 Uhr der Film „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ zu sehen. Am Samstag, den 17. September um 15 Uhr interviewen Jugendliche die Schwester von Sophie Scholl, Elisabeth Hartnagel. Ab 17.15 Uhr berichtet Pfarrer i. R. Richard Genth über die Baugeschichte des Sophie-Scholl-Hauses. Es singen die Parksingers und das Nachbarschaftstrio.
geschrieben von Peter Dietrich am 31.08.2011 um 11:13 Uhr.
20.05.12
unter diesem Thema wird dieser ökumenische Gottesdienst von einem Team von über ... [mehr]
22.05.12 - 22.07.12
Passion, Ostern, Pfingsten, Trinitatis 2012 [mehr]