Aktuelle Nachrichten aus dem Bezirk
Der Evangelische Kirchenbezirk Bernhausen diskutiert seine weitere Entwicklung
„Die Ortsgemeinde kann heute weniger denn je die einzige Ausdrucksform von Kirche sein“, betonte Dekan Rainer Kiess bei seinem Bericht vor der Bezirkssynode des Evangelischen Kirchenbezirks Bernhausen. Sie brauche Ergänzung, das Evangelium vertrage viele Formen und Farben.
Gelächter im Kirchenparlament. Dekan Kiess hatte Landesbischof Frank Otfried July zitiert. Sich mit Lederjacke den Rockern als „einer von euch“ zu präsentieren, hatte July vor kurzem auf der Konferenz „Gemeinde 2.0“ gesagt, würde bei ihm nicht funktionieren. Wie die Gemeinden im Kirchenbezirk dennoch bislang unerreichte Zielgruppen ansprechen und aus dem Kongress lernen können, diskutierten die Synodalen in acht Arbeitsgruppen.
„Auch wenn wir alle Gemeindemitglieder zusammennehmen, die wir wenigstens einmal im Jahr erreichen, wird es nur ein relativ begrenzter Ausschnitt sein“, befand Kiess. „Wir erreichen nur einen kleinen Teil der Gesellschaft.“ Um dies zu ändern, wünscht sich Kiess neue Ausdrucksformen gemeindlichen Lebens. In England sind diese neuen Gesichter von Kirche als „Fresh Expressions“ weit verbreitet. Sie ersetzen nichts Bestehendes, sondern ergänzen es. In Sheffield, berichtete Kiess, habe ein Pfarrer den alten Gemeindemitgliedern versprochen: „Ich mache die Abendmahlsfeier am frühen Sonntagmorgen mit aller Liebe weiter. Und ihr erlaubt mir, um elf Uhr für die vielen jungen Familien, manche mit Migrationshintergrund, einen neuen Gottesdienst zu beginnen. Ihr helft mir und betet dafür.“ Niemand, so Kiess, müsse sich verbiegen oder verstellen. Doch er regte an, „Menschen zu finden, zu fördern und zu senden, in solche Lebenswelten und Milieus zu gehen, in denen wir als Pfarrer keinen Zugang haben.“ Solche „Brückenköpfe“ könnten in ihrem Umfeld Gehör und Beachtung finden.
Kiess forderte „Mut zum Wagnis“. Experimente könnten danebengehen, aber auch zu neuen Entdeckungen führen. Er regte an, in den Distrikten des Kirchenbezirks Gottesdienste „für andere Menschen mit anderen Stilen und Erwartungen“ zu entwickeln. Zuerst gehe es darum, Menschen in ihrem Milieu und kulturellen Kontext zu erreichen. Anschließend sei es sinnvoll, einen zu diesem Profil passenden Glaubenskurs anzubieten.
Um Milieuschwerpunkte herauszufinden, will Kiess eine Arbeitsgruppe gründen, die untersucht, „ob uns hier eine Sehhilfe begegnet, die uns wacher machen und motivieren kann, Menschen wahrzunehmen, die bisher nicht in unserem Blickfeld waren“. Experten könnten die Gruppe bei ihrer Arbeit sozialwissenschaftlich begleiten.
Die Finanzen des Kirchenbezirks werden weiterhin vom Kirchenbezirksrechner Lothar Stäbler begleitet, der 49-Jährige wurde ohne Gegenstimmen – diesmal unbefristet – wiedergewählt. Zustimmung aus allen Gremien gab es auch für die Fortführung der „Servicestelle Kindergarten“, welche die Kindergartenträger im Kirchenbezirk entlastet. Der Diakonatsplan 2012, an dem zwei Jahre lang gearbeitet wurde, wurde mit großer Mehrheit verabschiedet. Er regelt den Einsatz und die Finanzierung der Diakone im Kirchenbezirk.
geschrieben am 09.05.2011 um 11:59 Uhr.
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